bambule.

Bambule [bamˈbuːlə] ist ein Begriff aus der deutschen Gaunersprache, der das Trommeln mit allen möglichen Gegenständen innerhalb und außerhalb von Gefängniszellen als eine von Häftlingen praktizierte Form des Protestes bezeichnet. Das Wort leitet sich von dem ursprünglich wohl afrikanischen Tanz Bamboule (auch Bamboula) ab, der heute noch in Louisiana bekannt ist.

so teilt es uns wikipedia mit. bambule ist außerdem auch das neue magazin auf zdf.neo, das von frau kuttner moderiert wird. nun mag ich diese person in der art ihrer moderation und ihrer wirkung überhaupt nicht. lemming, der ich allerdings bin, folge ich dem hype um die wunderbar degradierte zdf.neo-sendung neo.paradise, wo bambule vorgestellt wurde und wo schon im trailer ersichtlich war, dass es sich hier nicht um das nächste 08/15-pseudo-service-fernseh-magazin handeln wird. (uff, langer satz. luft holen.) was sie allerdings kann, die frau kuttner, ist intelligente sendungen konzipieren, nachfragen und eine meinung haben. und vor allem: diese auch äußern. das wiederum mag ich an ihr.

die letzte sendung vom 8.3.12 kann man hier anschauen. grundthema: schönheit. wer oder was ist schön? und warum nicht? oder doch? und überhaupt. im prinzip lose gedankengänge und äußerungen, die weniger fertig-durchdachte lösungen anbieten als vielmehr anstöße dazu, doch mal bitte die eigenen gehirnwindungen zu bemühen.

besonders wird das magazin dadurch, dass so absolut unterschiedliche menschen befragt werden: ein professor, der über schönheit forscht (den ich aber eher unspektakulär bis äußerst nervig fand). der fotograf richard kern, der laut eigenaussage „viele junge frauen mit wenig klamotten“ fotografiert. eine der missy-magazine-herausgeberinnen, stefanie lohaus, die sich zu schönheit und photoshop auf dem missy-cover äußert. die sängerin mieze der band mia, die eigentlich auch so ein rotes tuch für mich ist in ihrer art der wirkung, aber den schönen satz in der sendung sagt „selbstbewusstsein kann man sich nicht anmalen“ und doch komme es nur darauf an sich selbst wohlzufühlen, das mache schönheit aus. eine aussage, die vom prinzip her so einfach ist, dass ich sie nur unterschreiben kann.

zusätzlich bietet bambule auch eine reportage in seinem portfolio an, diesmal über neonazis und das internet, über sogenannte todeslisten, die dort veröffentlicht werden und gegen die anscheinend nichts unternommen werden kann. den mich faszinierendsten satz dabei, äußerte der anwalt, der die expertenmeinung vertrat: „mit freiheit muss man umgehen können.“ in zusammenhang mit der einleitung zu dem beitrag, nämlich der frage wer gewaltbereiter sei, rechts oder links, ergeben sich für mich neue fragen: wieviel kann eine demokratie aushalten? und wieviel wovon – gewalt, zensur, meinungen?

„wir versuchen mit worten nebelwände zu produzieren“ sagt michel friedman, in dem interview-beitrag von johanna-maria knothe, die als zweite weibliche führungskraft bei bambule auftritt. worum es geht? um politiker und das was sie sagen und vor allem wie sie es sagen und warum. auch hier kurze blitzlichter auf einzelne antworten der interviewten personen: obiger monsieur friedman, herr augstein von der wochenzeitung „der freitag“, ein rhetorik-trainer. frau knothe ist für mich übrigens eine (neue) sehr sympathische und v.a. überzeugende entdeckung in der deutschen medienlandschaft.

bambule macht lärm. es ist schnell, passt sich dem aufmerksamkeitsdefizitsyndrom meiner generation an, unterhält und regt an zum nachdenken. ach ja, und es dauert nur 30 minuten und somit kürzer als das schreiben dieses artikels. anschauen. verschwendete lebenszeit sieht anders aus.

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