ich und elaine. – short story

Diese Haare, rote Locken, das Lachen, die dunklen Augen – so hatte ich mir Elaine vorgestellt und so steht sie vor mir in der Sommersonne. Ich habe mich verspätet, es scheint ihr nichts auszumachen. Meine Hände sind vor Aufregung feucht und klamm. Verkrampft umfasse ich den Lenker des Hollandrades. Versuche mir nichts anmerken zu lassen. Der oberste Knopf ihres Kleides ist offen. Gewährt Einblicke. Zur Begrüßung eine Umarmung. Sie fühlt sich warm an.

„Kann ich mir deinen Bikini leihen? Nein, der ist mir obenrum nicht zu groß. Jahaa, bin ich mir sicher. Ins Freibad, neee, See ist eklig. Was ist nu? Krieg ich deinen Schnikini-Bikini oder nich?“

Keine Verlegenheit. Wir schrieben uns die letzten Wochen viel. Ein Satz hin, ein Satz her. Zuerst in der community, dann per Email. Schließlich die Feststellung, dass wir in derselben Stadt wohnen. Zufälle gibt es, perfekt. Elaine hatte die Idee sich zu treffen. Mit dem Fahrrad, jetzt wo das Wetter so schön ist. Ihr Vorschlag an den See zu fahren. Ich lasse sie vorfahren. Genieße den Anblick ihrer schmalen Silhouette. Das Kleid, das um ihre Beine flattert. Die Sonne scheint heiß.

„Nein, keine Ahnung wo Ela steckt. Bin ich ihr Babysitter, oder was? Mensch, Ma, die ist alt genug um auf sich selber aufzupassen. Ach, mach dir da doch keine Sorgen. Die ist garantiert mit Freunden irgendwo grillen. Nein, kann sie nicht abholen, ist doch eh lange hell draußen. Muss jetzt los. Bis denn.“

Picknick am Ufer. Lachen schwebt durch die Luft. Elaine erzählt. Von sich, ihrer kleinen Schwester, dem großen Bruder, den Eltern. Bilderbuchfamilie. Erzähle ihr von meiner eigenen verschrobenen Vergangenheit. Vater Alkoholiker, irgendwann weg, Mama aufopferungsvoll, keine Geschwister. Mitleid in ihren Augen, das ich nicht sehen will. Sie legt den Kopf in meinen Schoß. Wolkengucker. Vertrauensvoller schmetterlingszarter Kuss.

„Schatz, Elaine geht nicht an ihr Handy, dabei sollte sie doch auf dem Heimweg noch beim Bauern Erdbeeren holen. Für heute Abend. Ich mach mir Sorgen, Schatz.“

Nach Hause radelnd und vor mich hin pfeifend. Mit Elaine an der versteckten Quelle gewesen. Wie sie mich angeschaut hat, als ich ihr davon erzählt habe. Sie kannte sie nicht, wollte hin. Spielte ‚Hasch mich’ mit mir. Tanzende Hüften. Ihre Haut, weiß. So weich und duftend. Die Fahrräder verquer im Gras. Aufstöhnen. Knöpfe reißen ab. Ihr Atem heiß. Kühles Quellwasser. Keuchen. Sonnenflecken tanzen auf ihrer Brust. Die geweiteten Augen. Schlanke Beine, die mich umschlingen. Nägel, die sich in meinen Rücken krallen. Ihr Hals. Zart. Pulsierend. Rote Perlen, die dickflüssig in das Wasser tropfen. Glas zerbricht.

„Der Leichnam der am Sonntag als vermisst gemeldeten 18-jährigen Schülerin Elaine K. wurde heute aufgefunden. Ein Jogger fand die Leiche am frühen Morgen bei der Quelle am südlichen Ufer des örtlichen Badesees. Laut Polizeiangaben fiel die junge Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden jedoch keine weiteren Details veröffentlicht.“

Sie hat mein Herz und ich hab ihr’s. Ich und Elaine.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s