seite 7 – 10, Teil II.

gestern hatte ich bereits über den herrn konsul berichtet, der mir auf den ersten paar seiten über den weg gelaufen ist. heute geht es nun weiter mit dem jerusalemsberg.

jerusalemsberg – „wie wenn man im winter auf dem kleinen handschlitten mit den brüdern den jerusalemsberg hinunterfuhr“, so denkt die kleine tony beim rezitieren des katechismus. erst ging ich von einem normalen hügel aus, der von der örtlichen jugend im winter zum rodeln genutzt wird. tatsächlich handelt es sich dabei um die siebte  station des sog. lübecker kreuzwegs. dieser wurde gestiftet von dem lübecker kaufmann und ratsherrn hinrich constin, nachdem er von einer pilgerreise in das heilige land zurückgekehrt war. von ursprünglich insgesamt sieben stationen existieren heute nur noch die erste und die letzte, eben der jerusalemsberg. vollendet wurde der kreuzweg 1493 und allerdings bereits 1531 wieder zerstört (zumindest die stationen zwei bis sechs). der kreuzweg erzählt(e) sinnbildlich jenen teil der leidensgeschichte jesu christi, beginnend beim urteil des pontius pilatus bis hin zur kreuzigung auf golgatha. die zerstörung erfolgte damals als folge der reformation und der neu entstandenen kirchenordnung.

[einschub: momentan habe ich das gefühl mir die buddenbrooks weniger zu ergoogeln, als viel mehr wikipedia zu zitieren. deswegen hier auch etwas weniger ausführliche rechercheergebnisse, weil wikipedia eigentlich jeder selbst durchlesen kann.]

katechismus, anno 1835 – was man nicht alles im internet findet: herausgegeben wurde der ‚christkatholische katechismus für die kleinere schuljugend‘ (so der vollständige titel) im jahr 1835 im thein-verlag in würzburg von michael a. rauch (die bayrische staatsbibliothek hat den katechismus sogar als online-version und als pdf). auf der 5. seite der online-version ist zu sehen, dass er herausgeber rauch pfarrer und dechant in der diözese würzburg (huch, da war ich ja gestern erst) war. ich gehe also stark davon aus, dass diese ausgabe des katechismus sicherlich nicht in lübeck gelehrt worden ist…schon allein dadurch, dass ich beim lesen keine stelle finden konnte, die der entspricht, die von der kleinen tony rezitiert wird. allerdings finde ich es ein wunderbar anschauliches beispiel für die damalige zeit und ihr christliches gedankengut sowie eine perfekte darstellung für die definition im duden: „lehrbuch für den christlichen glaubensunterricht, das in fragen und antworten angelegt ist“.
was sich mir bei der suche außerdem ungewollt erläutert hat: durch die kombination ‚katechismus lübeck 1835‘ fand ich heraus warum buddenbrook senior eine mischung aus niederdeutscher mundart und französisch spricht – siehe den eingangssatz „je, den düwel ook, c’est la question, ma très chère demoiselle!“ – lübeck war von 1806 bis 1813 von den truppen napoleons besetzt, die sog. lübecker franzosenzeit.
zurück zum lübecker katechismus…laut wikipedia wurde 1837 vom lübecker senat der sog. ‚katechismus der lübecker kirche‘ (an dem eben der verlinkte johann lindenberg mitgearbeitet hat) verpflichtend eingeführt. ob dieser katechismus derjenige welcher ist, auf den thomas mann sich bezieht? keine ahnung. aber es handelt sich hier ja auch nicht um wissenschaftlich fundierte recherche-arbeit. ;) gekannt haben dürfte er ihn durchaus: diese version des katechismus wurde 1849 und 1872 neu aufgelegt und erst 1905 durch eine neubearbeitung ersetzt. thomas mann selbst ist 1875 geboren.

edit: ich habe dieses buch diesmal nicht zu ende gelesen. zu unsympathisch sind mir seit dem letzten lesen die charaktere geworden, zu genervt war ich von ihnen und ihren taten und motivationen.

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