gebloggt. – diary 16.3.13

was bringt einen eigentlich dazu, das eigene leben in einem blog festzuhalten? gute frage. bis meine bessere hälfte mich das gestern gefragt hat, aufgrund dieses tagebuchblogging-dings, habe ich mir da ehrlich gesagt keine gedanken darum gemacht.

warum also bloggen? fangen wir bei der kleinsten einheit an: ich persönlich. ich bin ein bekennender notiz- und tagebuch-fan und es gibt nicht großartigeres als ein neues, unberührtes, schön eingebundenes notiz- oder tagebuch zu „entjungfern“. bezeichnend, dass ich zwar im laufe der jahre einiges an notizbüchern angesammelt habe, aber keines wirklich bis zum letzten blatt beschrieben wurde. irgendwann wurde ich dann älter und bin vom notiztagebuch umgestiegen auf kalender. die schwarzen, mit denen angeblich schon hemingway geschrieben hat, was übrigens ein urbaner mythos ist. din-a-5-größe, links kalender, rechts liniert, weicher einband. am ende eines jahres ist der kalender aufgrund von eintrittskarten, postkarten, fahrkarten, flyern etc. meist doppelt so dick wie ursprünglich. das papier hat wellen und flecken von kaffee oder tee, und manche wochenseiten sind dicht an dicht beschrieben mit erlebtem und geträumtem oder mit skizzen vollgekritzelt. wesentlich persönlicher als es dieser blog je sein könnte, was durchaus abhängig ist von der eigenen handschrift, von dem zustand des büchleins und erst recht abhängig von den inhalten. denn manches niedergeschriebene möchte selbst ich nicht nochmals durchlesen, so peinlich ist es mir im nachhinein. (und vor meinen zukünftigen kindern und enkeln werden die dinger versteckt oder rechtzeitig verbrannt.) und ich würde es nicht in dieser öffentlichkeit erzählen, unabhängig davon wie zahlreich meine leserschaft wäre.

in diesen notiztagekalenderbüchern bin ich allerdings auf mich selbst zurückgeworfen. ich bekomme kein feedback, keine reaktion. ich setze mich mit mir selbst auseinander, wieder und wieder. niemand freut sich mit mir oder leidet gar mit. es fehlt die reaktion des „ja, kenne ich und verstehe ich“. natürlich habe ich meinen partner, freundinnen und auch familie, denen ich mich anvertrauen und denen ich alles oder vieles erzählen kann. ich bin durchaus in ein festes soziales netz eingebunden. hier schreibt keine verrückte katzendame, wie wir sie aus den simpsons kennen. aber es wäre durchaus nett, auch von außerhalb rückmeldungen zu erhalten, die mir gegenüber nicht befangen sind und die nicht in dieselbe richtung argumentieren wie ich. (meist denken partner, freunde und familie ja doch sehr ähnlich wie man selbst, sonst würde man das doch alles gar nicht aushalten.) denn schließlich und endlich beherbergt dieses auf-sich-selbst-zurückgeworfen-sein durchaus die gefahr, dass man anfängt sich für umstände oder geschehnisse zu schämen oder man beginnt, sich etwas einzureden, das so nicht stimmt. man fängt an sich spiralartig, um themen zu drehen, aus denen man vielleicht nicht mehr herausfindet. außenstehende beobachter geben ein anderes feedback, aufgrund ihrer distanz, aber auch aufgrund einer vereinfachten darstellung, die sie erhalten haben und die eine situation auf ein wesentliches reduzieren kann.

ich bin durchaus der ansicht, dass dies (unterbewusst) auch bei den meisten blogger_innen eine rolle spielt, mal ganz abgesehen von offensichtlicheren bedürfnissen wie mitteilungsdrang oder bestätigung finden oder berufliches veröffentlichen oder für sich selbst werbung machen.

meine bessere hälfte, manchmal nicht der charmanteste vertreter seiner gattung, ergänzte seine frage außerdem ohne eine antwort abzuwarten: wer liest so etwas langweiliges überhaupt?

die andere frage, die ich passender finde und die automatisch zum wer führt, ist die: warum lesen wir blogs?  ich würde hiermit antworten: voyeurismus – neugierde – teilhabe. in dieser reihenfolge. das gleiche phänomen lässt uns auch im winter in erleuchtete fenster reinschauen und den leuten beim abendbrot zuschauen. es ist in den meisten blogs das alltägliche leben, das beschrieben wird. zwischendurch eine buchempfehlung oder ein rezept, eine skurrile beobachtung aus dem lebensalltag, sonst aber die gedanken und sorgen, die uns tagtäglich beschäftigen.

ich behaupte einfach mal, dass wir noch nie in unserer geschichte soviel einblick in das leben und in die persönlichen umstände anderer hatten wie heutzutage. (ungeachtet dessen, dass auch in blogs niemals alles niedergeschrieben wird und man als verfasser freiwillig das eigene leben zensiert). das meiste davon geben wir selbst preis: den ärger mit der uni, die nervigen kinder, den streit mit dem partner aber auch geburtstage, feiern und sonstige persönliche highlights. wir teilen unseren ganz persönlichen lebensentwurf mit anderen. die blogs, die wir lesen, sind manchmal komplett gegensätzlich oder aber verlaufen erstaunlich parallel zu unserem eigenen leben. vielleicht lesen wir sie, um uns selbst zu bestätigen, dass wir alles richtig gemacht haben, vielleicht lesen wir sie aber auch aus der sehnsucht nach veränderung heraus. oder ganz einfach aus sympathie: uns gefällt das nette lächeln oder der schreibstil oder der hund des verfassers. meinetwegen auch der gartenzwerg.

das „warum schreibt man blogs“ und das „warum wird das gelesen“ bzw „wer liest das“ sind eng miteinander verbunden. diese punkte bedingen sich gegenseitig und folgen doch auch den mustern, nach denen man sich freunde (und auch feinde) aussucht, auch wenn diese oftmals schwer zu bestimmen sind.

 

ich schreibe meine notizen übrigens auch deswegen ins internetz, um papier zu sparen. möge dies mein beitrag zum umweltschutz sein. ;)

– die anderen tagebuchblogger_innen mit klassischeren tagebüchern finden sich wieder hier. –

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