anspruchsvoll.

ich habe soeben ehemalige klassenkameradinnen gestalkt. früher sagte man dazu „hinterher schnüffeln“ oder beauftragte – noch besser – die eigene mutter, mal bei den anderen müttern nachzufragen, was denn deren töchter so machten. dann war es ja die neugier der mutter und nicht die eigene. am ende ist es dann jedoch dasselbe spiel: ich frage mich, was ich eigentlich falsch gemacht habe bzw. falsch mache, weil ich noch immer keine landesübliche gesellschaftlich anerkannte karriere, egal ob in familiärer hinsicht (mann + 2 kinder kriegen) noch in beruflicher hinsicht (vollzeitjob + eine gehaltserhöhung) gemacht habe.

und ja, ich gebe zu: ich kann mich von den erwartungen anderer nicht frei machen. auch – und erst recht nicht – von meinen eigenen. ich hatte habe träume, wünsche und erwartungen an mein leben, und zwar durchaus anspruchsvolle, wie mein partner sagen würde, und ich überprüfe mehr oder minder regelmäßig, ob und wie ich sie erfülle. mal überprüfe ich dies durchaus auf vernünftige art und weise mit einem glas rotwein in der hand, netter gesellschaft an der seite, gutem essen vor mir und frage mich „bist du zufrieden?“ – die antwort lautet dann meist „jo, bin ich.“ ein anderes mal (so wie heute) überprüfe ich sowas eher unvernünftig, indem ich mich vergleiche. und dann bin ich nicht diejenige, die ein entspanntes und gutes leben, trotz allem, führt. nein, dann bin ich diejenige, die zu spät studiert hat, um noch in einer firma durchstarten zu können. diejenige, die mit 31 immer noch auf einer 15-stunden-stelle sitzt und zu wenig geld im monat hat, um ihre rechnungen zu begleichen. und diejenige, die trotz kaufmännischer ausbildung und einser-studium und berufserfahrung keinen job findet, der mehr herausforderung, mehr leben, mehr von allem bietet.

das frustriert mich zutiefst. dabei ist es nicht so, dass ich auf der faulen haut gelegen hätte. ich habe lebenserfahrung gesammelt, in unterschiedlichen jobs und studiengängen und ehrenamtlichen tätigkeiten. aber was aktuell bei mir durchdringt, sind sätze wie „ich gehöre im gegensatz zu dir zur arbeitenden bevölkerung.“ oder „kind, hast du denn immer noch nichts neues?“ oder „ahja. und das ist ein job?“ und an tagen wie heute, wo ich noch zusätzlich drei stunden beim zahnarzt saß, mein freund auch nur 5 minuten zeit hatte und die chefin blöde kontrollanrufe tätigt, da kann ich dem vergleich – innerlich oder äußerlich, gefühlt oder tatsächlich – nicht stand halten. da verliere ich (mich) vor mir selbst.

weil ich dann merke, dass ich ansprüchen nicht genüge. denen von anderen nicht und meinen erst recht nicht. ich gebe hier offen zu, dass ich das versuche, immer wieder. weil ich gemocht und geliebt werden will. weil ich will, dass meine eltern, mein partner, meine freunde stolz auf mich sind. wer will das denn nicht? aber, seien wir ehrlich, es geht an die substanz. ich merke dabei, wieviel kraft es mich kostet, mir selbst immer wieder zu sagen „du hast schon viel geleistet. du hast viel erreicht. du machst das gut. dein leben ist ein gutes – mit freunden, rotwein, liebe, lachen und allem worauf es ankommt.“

das ist mein lernprozess, mein leben für    s i c h    stehen zu lassen, es nicht zu vergleichen, nicht auf- oder abzuwerten, wenn ich es in bezug zu anderen setze. es ist wie es ist, und so ist es gut. ich habe keine lust, die entscheidungen, die zu diesem punkt geführt haben zu bereuen, denn ich habe sie nach bestem wissen und gewissen getroffen. und das nächste mal klicke ich die profile ehemaliger schulkameradinnen einfach weg. ganz sicher. wahrscheinlich.

edit: @dieliebenessy hat ungefähr zur gleichen zeit einen beitrag zum gleichen thema geschrieben – optimiere dich, du wurst!

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