hohlräume in der werbung.

der aktuelle shitstorm des tages gilt dem oetinger-verlag. dieser veröffentlichte 2013 ein buch und die werbung dazu hängt heute noch in den schulen rum.

ringelmiez schrieb dazu einen schlauen beitrag, dankenswerterweise beinhaltet dieser gleich alternative lese-vorschläge.

der jawl schrieb ebenfalls einen lesenswerten beitrag, der den schwerpunkt auf die empörungswelle und die sprichwörtliche sau im dorf legt. tatsächlich hat er sich soeben sogar das buch, um das es geht, bestellt.

tatsächlich ist es so, was ich aus der leseprobe bei ama.zon entnehmen konnte, dass dieses werk fast schon in einer „tradition“ jugendlicher jungsliteratur steht. dazu gehörten damals die tagebücher von greg und auch berts katastrophen. jugendliteratur, die den anspruch hatte, die gedankenwelt von pubertierenden jungs aufzugreifen und anzusprechen. inwieweit das gelang oder immer noch gelingt, kann ich nicht beurteilen: als jugendliches mädchen fand ich die ein oder zwei gelesenen exemplare dieser bücher, plump und doof und unlustig. wie die jungs sie fanden, weiß ich leider auch nicht, weil ich in jenem alter mit denen einfach nichts zu tun haben wollte. (im übrigen las ich zu der zeit die „mädchentypischen“ pferdemädchenromane.)

aber allein die tatsache, dass greg und bert immer noch verlegt werden und regelrechte serien geworden sind, spricht scheinbar bände. es gibt für diese art von jugendliteratur ein publikum. sei es drum, das ist nicht das problem – soll jede*r lesen, was er*sie möchte (stichwort „twilight“ und „50 shades“).

das problem scheint mir zu sein, wie hier mehr oder weniger bewusst geschlechterklischees zementiert und weiter verbreitet werden. hierin liegt die krux dieser und anderer, ich nenne sie mal „geschlechtstypischer“, jugendliteratur. und hierbei liegt auch das problem bei diesem werbeplakat –  es vermittelt wahrnehmungen, die vielleicht bei jugendlichen tatsächlich pubertätsbedingt so existieren, ohne allerdings diese wahrnehmungen aufzunehmen und auszuräumen. das medium werbeplakat kann dies selbstverständlich nicht leisten. das ist aufgabe der eltern, der schule und der gesellschaft.

aus diesem grund ist – so scheint es mir – diese werbung so brisant: es wird gewertet ohne zu hinterfragen. es wird ein klischeebild vermittelt, das jugendliche vielleicht noch gar nicht aufbrechen und durchschauen können (nicht mangels intelligenz, sondern mangels erfahrung). und denken wir dabei immer daran: ironie oder auch humor sind selten klar als solche identifizierbar oder werden von jeder*m so aufgefasst. dies alles geschieht in einem umfeld, das es eigentlich besser wissen müsste: eine pädagogische einrichtung muss sich dieser thematik bewusst sein, und ein verlag der schul-, kinder- und sonstige pädagogische bücher veröffentlicht, sollte dieses thema der geschlechterrollen zumindest auf dem schirm haben. denn dies ist eine problematik, die nicht nur mädchen in ihrer inneren und äußeren wahrnehmung einschränkt, sondern auch jungs auf eindimensionale gedankengänge reduziert.

für mich ist dieses werbeplakat se.xistische kackschei.ße, sagen wir es ganz ehrlich. das buch kann ich nicht beurteilen, da ich es nicht gelesen habe. es kann aber nicht ziel sein, etwas zu verbieten oder vom markt zu nehmen. gerade bei büchern halte ich dies für brandgefährlich.

ziel muss es sein, die fallstricke innerhalb dieser geschlechtstypischer jugendliteratur zu erkennen und sie aufzuzeigen, so dass sie geändert werden können. ziel muss es sein, klischees, rollen(verhalten) und typzuschreibungen zu hinterfragen und zu analysieren. nur dann kann sich im verständnis nachhaltig etwas ändern.

update: hier reagiert der oetinger verlag selbst.

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