umzugswahnsinn, die erste.

Der Lieblingsmensch und ich ziehen um. So weit, so unspektakulär. Wir ziehen allerdings ins ca. 500km entfernte Görlitz an der polnischen Grenze (mit einer Stadthälfte in Polen – irre!). Das birgt einige logistische Herausforderungen wie „Wo kaufe ich eine neue Küche, wenn Person A noch in H und Person B bereits in GR wohnt, dabei das gemeinsame Zeitfenster ein Minimum ist und beiden die Küche gefallen soll?“ – aber vielleicht stellen wir uns ja auch einfach nur blöd an. Manchmal ist das so. Vor allem im Sommer.

Wer sich jetzt fragt, warum wir überhaupt und ausgerechnet von Hannover in den Osten ziehen, wo das jeder vermeintlich normale „vernünftige“ Mensch doch andersrum macht: naja, der Mann hat dort einen gut bezahlten Job gefunden (finde nur ich das ironisch?). Wir wollen zudem weder eine Fernbeziehung führen noch uns trennen, also ziehe ich mit um. Mein Job ist bereits gekündigt und Ende September mache ich mich auf den Weg an die Neiße. Das Ganze hat sich bereits Ende Juli ergeben und seit Montag wohnt und arbeitet der Lieblingsmensch jetzt in Görlitz. So schnell kann es gehen.

Die nächste Frage, die uns derzeit in diesem Zusammenhang gestellt wird: Ja, habt ihr denn schon eine Wohnung? Ja, haben wir. Der Mann wohnt seit vorgestern sogar schon drin. Und das bringt mich nun zu meinem eigentlichen Thema, das mich derzeit (neben der Küche) beschäftigt: Wohnungen, überall Wohnungen (oder auch nicht).

In Görlitz stehen ungefähr 40-50% der Wohnungen leer. Leerer geht es nicht. Ihr sucht eine Altbauwohnung mit Stuck, ca. 100m² Wohnfläche oder größer, Stäbchenparkett oder Dielenparkett, mit 4 oder 5 Zimmern und das für wenig Geld? Ab nach Görlitz. Nach Berlin benötigt man mit dem Auto auch nur 3 Stunden, es handelt sich also quasi um einen vorvorgelagerten Vorort. (Prag liegt mit 2 Stunden Fahrt übrigens deutlich näher – yay!) Die Preise dümpeln irgendwo zwischen drei und vierfuffich pro Quadratmeter, gefühlt und tatsächlich. Entsprechend lang war unsere Liste an zu besichtigenden Mietimmobilien als wir letzte Woche für 2 Tage in Görlitz waren.

Nun sollte man meinen, wenn derart viel Wohnungsleerstand vorherrscht, dass sich die Makler im Vorfeld um jeden möglichen oder unmöglichen Interessenten geradezu reißen. Ich bin ja so naiv manchmal. Die Exposés habe ich mir selbst erstellt, Mails wurden mir teilweise gar nicht beantwortet und überhaupt galt in unserem Fall scheinbar das Motto „Komm ich heut nicht, komm ich morgen.“ Manche kamen auch gar nicht. Am Ende schauten wir uns tatsächlich 16 Wohnungen in 2 Tagen bei 40° Grad im Schatten an. Und was soll ich sagen? 16 Besichtigungen sind das absolute Maximum, was ein Gehirn an Wohnungsinformationen verarbeiten kann. Selbst mit Notizen und Fotos als Gedächtnisstütze. Es gab ganz wundervolle Wohnungen und so ein paar durchschnittliche und eine ganz skurrile (mit einem Lederschallschutz an der Tür, der an ein Dominastudio erinnerte).

Auffallend waren in fast allen Häusern die breiten Tordurchfahrten in den jeweiligen Innenhof und die wunderschön gefliesten alten Treppenhäuser mit bunten Mustern und Verzierungen. Viele Häuser sind dort noch aus der Gründerzeit oder Jahrhundertwende und man merkt einfach, dass der zweite Weltkrieg dort weniger Schaden hinterlassen hat. Zumindest wirkte es so auf mich. Görlitz selbst ist wunderschön, an allen Ecken und Enden wird noch gebaut und restauriert, aber man kann deutlich sehen, wo die Reise in den letzten 20 Jahren hingegangen ist und wo sie noch hingehen wird. Gerade in der Altstadt schaut ein Haus hübscher aus als das andere. Aber auch der Kontrast von restauriertem Mehrfamilienhaus und direkt daneben von einem „Wir lassen das mal so!“-Haus hinterlässt einen bleibenden Eindruck. (Wir haben uns dann übrigens für eine Altbauwohnung in der Fußgängerzone entschieden, in welcher der Mann momentan mit Campingstuhl, Campingtisch und Luftmatratzenbett haust. Ohne Küche, aber immerhin mit sanitären Anlagen.)

So, und während ich die oberen Absätze schrub, besichtigten mehrere Menschen unsere jetzige Wohnung und ließen den Text „kalt“ werden, weswegen er nun auch abrupt endet. Weshalb mir jetzt aber noch nicht klar ist, ob den Wohnungsinteressenten klar ist, dass wir unsere Wohnung ohne Einrichtung vermieten, das erzähle ich dann morgen.

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2 Gedanken zu “umzugswahnsinn, die erste.

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